Bauen im Winter: was bei Frost geht, was nicht, und was es kostet
Der Winter stoppt den Tiefbau nicht komplett. Aber er verändert die Rechnung – und wer das vorher weiß, plant den Terminplan anders.
„Im Winter ruht der Bau” stimmt seit etwa dreißig Jahren nicht mehr. Was stimmt: Der Winter verschiebt Grenzen, macht manches teurer und manches unmöglich. Der Unterschied zwischen einem Betrieb, der das offen sagt, und einem, der es in die Einheitspreise schreibt, sind ein paar tausend Euro und viel Ärger im Februar.
Was bei Frost weiterläuft
Erdarbeiten gehen, solange der Boden nicht durchgefroren ist. Eine dünne Frostschicht von wenigen Zentimetern reißt der Bagger auf. Ab etwa 20 Zentimetern Frosttiefe wird es unwirtschaftlich, weil aufgerissener gefrorener Boden weder verdichtet noch eingebaut werden kann.
Kanalbau läuft ebenfalls weiter. Kritisch ist nicht das Verlegen, sondern die Verfüllung: Gefrorene Schollen im Verfüllmaterial hinterlassen beim Auftauen Hohlräume, und diese Hohlräume sind die Ursache für die Straßensetzungen, die man im Frühjahr über frisch verlegten Leitungen sieht. Deshalb wird gefrorenes Material aussortiert – oder es wird nicht verfüllt.
Betonarbeiten sind bis etwa minus drei Grad mit Zusatzmaßnahmen möglich: erwärmtes Anmachwasser, Beton mit höherer Festigkeitsentwicklung, Abdecken mit Wärmedämmmatten. Unter minus fünf Grad wird nicht mehr betoniert. Frisch eingebrachter Beton, der in den ersten Stunden gefriert, erreicht seine Festigkeit nie wieder – der Schaden ist irreversibel.
Was nicht geht
Asphalt. Die Einbautemperatur muss gehalten werden, und bei kaltem, nassem Untergrund kühlt die Mischung zu schnell aus. Der Verbund zwischen den Schichten entsteht dann nicht. Die meisten Mischwerke im Raum Koblenz schließen ohnehin über die Wintermonate.
Pflaster in Bettung auf gefrorenem Planum. Wird auf gefrorenen Untergrund verlegt, sackt beim Auftauen alles ab. Das ist kein Mangel des Pflasterers, sondern ein Fehler im Terminplan.
Verdichtung bei gefrorenem Boden. Gefrorenes Material lässt sich nicht verdichten. Es sieht fest aus, ist es aber nur, solange es gefroren ist.
Was Winterbau kostet
Zusatzmaßnahmen kosten Geld: beheizte Zelte, Wärmematten, erwärmtes Anmachwasser, zusätzlicher Zeitaufwand für das Aussortieren gefrorenen Materials. Als Größenordnung liegen die Mehrkosten bei betonlastigen Gewerken oft bei fünf bis zehn Prozent.
Wir weisen diese Maßnahmen als eigene Positionen aus. Das hat einen einfachen Grund: Wenn der Winter mild bleibt, entfallen sie – und Sie zahlen sie nicht. Wer sie in die Einheitspreise einrechnet, kassiert sie in jedem Fall.
Der Vorteil, über den selten gesprochen wird
Im Winter sind Kolonnen verfügbar. Wer im November anfragt, bekommt oft einen Termin im Januar; wer im März anfragt, wartet auf den Sommer. Bei Gewerken, die frostunkritisch sind – Kanalbau, Erdarbeiten, Abbruch, Drainage – ist der Winter deshalb häufig die bessere Bauzeit, nicht die schlechtere.
Und noch etwas: Wir kündigen unseren Leuten im November nicht. Eine feste Kolonne über den Winter zu halten, kostet uns Geld – es ist aber der Grund, warum im Frühjahr dieselben Leute wiederkommen, die im Herbst gegangen sind. Bei einem Gewerk, in dem Erfahrung die halbe Qualität ist, rechnet sich das.